Tierhilfe mit Herz
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Leishmaniose

 

Leishmaniose – Bedrohung oder nur eine Infektion wie jede andere?

Sie haben einen Hund aus Südeuropa oder Sie möchten einem Tier aus diesem

Lebensraum ein neues Zuhause geben? In der Regel werden Sie an diesem Punkt

auf unser heutiges Thema stoßen und einen ganzen Koffer guter Ratschläge

erhalten...

Dieser Beitrag soll Ihnen helfen, sich in dem Gewirr von guten Tipps und fatalen

Unwahrheiten zu Recht zu finden. Fangen wir also vorne an....

Woher kommt der Begriff „Leishmaniose“

Das Wort stammt von den Erregern, den sog. Leishmanien.

Leishmanien sind Kleinstlebewesen, sog. Einzeller. Diese Einzeller werden durch eine

spezielle Mücke, eine spezifische Rasse der Sandmücken-Art, auf das Tier

übertragen. In ihrem neuen Lebensraum – in unserem Fall der Hund - können sich

die Leishmanien nun ungehindert bewegen und vermehren. Ähnlich läuft übrigens

die Infektion bei der bekannten Malaria auch ab. Es sind ebenfalls Einzeller, die von

einer Mücke übertragen werden. Heilbar ist Leishmaniose beim Hund genauso

wenig, wie Malaria beim Menschen.

Die meisten Krankheiten haben einen engen Zeitraum, der von der Infektion

(Ansteckung) bis zum Auftreten erster Symptome (Krankheitsanzeichen)

verstreicht.

Die Leishmaniose ist hier leider eine unrühmliche Ausnahme, denn ihre sog.

Inkubationszeit kann von 5 Wochen bis hin zu etwa sieben Jahren dauern.

Was bedeutet das nun für Sie und jeden anderen, der einem Hund aus dem Süden

ein Zuhause gibt? Auch ein „negativer Test“ gibt keine Garantie für einen allzeit

gesunden Hund. Es ist also ohne weiteres möglich, dass ein Hund erst nach Jahren

Krankheitsanzeichen hat und bei einer neuerlichen Überprüfung plötzlich einen

„positiven Test“ hat.

Wir raten daher, bei allen Hunden aus dem Süden jedes Jahr einmal ein großes

Blutbild machen zu lassen – bei abweichenden Werten und sichtbaren

Veränderungen am Hund sollte dann auf jeden Fall der sog. Antikörpertest auf

Leishmaniose nachgelegt werden. Diese Empfehlungen betreffen ebenfalls Hunde,

die mit uns in den Urlaub im Süden genommen werden.

Symptome

Leishmaniose kann sich durch kahle Stellen um die Augen herum äußern, an der

Schnauze, am Hals und an den Beinen, die sich entzünden können, schuppige,

haarlose Ohrränder, durch stark wachsende Krallen, Nasenbluten und rissigen

Nasenspiegel sowie Bindehautentzündung, geschwollene Milz und Lymphknoten. Im

fortgeschrittenen Stadium magern die Tiere stark ab, sie fühlen sich matt, haben

Durchfall und Muskelschmerzen.

Zur Behandlung werden in der Regel zwei Medikamente verwendet. Einmal

Allopurinol, preiswerte und nebenwirkungsarme Tabletten aus der Humanmedizin,

deren Wirkung meist schon nach kurzer Behandlung anschlägt: Die Symptome

gehen schnell zurück und das Tier erholt sich gut.

Allopurinol wird oft verordnet, wenn die Krankheit erneut ausbricht oder auch

durchgehend zur Vorbeugung. Damit lässt sich im günstigen Fall verhindern, dass

Symptome überhaupt noch einmal auftreten. Unter dem Mikroskop ist zu erkennen,

dass bei der Behandlung mit Allopurinol die Erregerdichte stark zurückgeht. Die

Kosten einer Allopurinol-Behandlung liegen bei ca. 9 – 18 Euro für 3 Monate, je

nach Gewicht des Hundes.

Vor allem in schweren oder fortgeschrittenen Fällen setzen Mediziner zur

Behandlung ein anderes Medikament ein – Glucantime. Es wird täglich über einen

längeren Zeitraum injiziert, hat gewisse Nebenwirkungen, aber ist durchaus

erschwinglich.

Bei einen 20 Kilogramm schweren Hund kann in der Regel für eine einmalige

Glucantime-Kur von 45 Tagen mit Kosten von rund 126 - Euro gerechnet werden.

Mit rund 80 Prozent liegen die Chancen gut, dass ein behandelter Hund zwar nicht

geheilt, aber doch beschwerdefrei alt werden kann. Voraussetzung ist, dass die

Organe noch nicht zu stark geschädigt sind.

Eine dritte Therapie, die sich erst seit 2007 etabliert, wird mit dem Medikament

Miltefuran durchgeführt. Hier wird das Medikament in flüssiger Form mit den

Mahlzeiten eingenommen und zwar für einen Zeitraum von 28 Tagen. Auch hier

kann es häufiger Nebenwirkungen geben, die sich in der Regel in Übelkeit und

Erbrechen des Hundes zeigen.

Wirksam sind alle 3 Therapien, wobei man i.d.R. mit Allopurinol anfängt.

Wichtig ist hier folgendes: Sie benötigen einen Tierarzt, der sich zumindest auf

diesem Gebiet schlau macht, oder sich auskennt. Bei der Gelegenheit muss ich

einmal ganz deutlich sagen, dass Sie den Tierarzt auf jeden Fall wechseln sollten,

wenn er versucht, Ihnen wegen der Adoption eines Auslandstieres ein schlechtes

Gewissen zu machen, oder Sie sogar mit Vorwürfen konfrontiert.

Ein guter Tierarzt wird auch die Zusammenarbeit und Abstimmung der notwendigen

Therapien mit Kollegen schätzen und einfordern.

Es wird leider häufig immer noch, auch von Amtsveterinären und Tierärzten,

behauptet, Leishmaniose sei eine Tierseuche und damit meldepflichtig. Das ist

falsch! Es ist in Deutschland genau festgelegt, welche Krankheiten zu den Seuchen

zählen – Leishmaniose gehört nicht dazu.

Wie sieht es mit dem Ansteckungsrisiko für mich, meine Familie und meine Tiere

aus?

Nun die Antwort hierauf ist ziemlich einfach:

Eine Infektion durch die Sandmücke selber ist natürlich jederzeit in Südeuropa

möglich, die Mücke unterscheidet ja nicht zwischen Ihnen und anderen „Opfern“. Ein

Mensch mit einem intakten Immunsystem wird nicht erkranken. Immungeschwächte

Menschen können allerdings schon krank werden.

Eine Infektion durch einen positiven Hund ist dagegen höchst unwahrscheinlich und

auch noch nie nachgewiesen worden. Es müssten hier 2 sehr große und blutende

Wunden lange aufeinander reiben, damit ein Eindringen der Leishmanien theoretisch

und gegen den bestehenden Blutdruck möglich wäre...

Die normalen Hygiene-Regeln, wie z.B. das Händewaschen vor der

Nahrungsaufnahme, genügen vollkommen.

Leishmaniose und Impfen...

Das ist eine klassische Frage, die immer wieder in den Beratungsgesprächen

auftaucht.

Das Allerwichtigste für einen „positiven“ Hund aus dem Süden ist ein intaktes,

„aufmerksames“ und handlungsfähiges Immunsystem.

In dem Moment, in dem ich ein Leishmaniose-Tier impfe, schwäche ich die Abwehr

und mache sie sozusagen auf „einem Auge“ blind. Das ist nicht ungefährlich und

kann leider im ungünstigsten Fall auch eine unmittelbare Ursache für den Ausbruch

der Erkrankung sein.

Natürlich haben Tiere aus dem Süden gegen Tollwut und auch gegen diverse andere

Krankheiten entsprechenden Impfschutz (nicht zuletzt gibt es Vorschriften für die

Einreise nach Deutschland...).

Das Standardschema zur regelmäßigen Auffrischung von Impfungen sollte bei

Leishmaniose positiven Hunden jedoch nicht einfach per se vorgenommen werden,

sondern immer nur in Abstimmung mit einem im Bereich der Mittelmeerkrankheiten

sehr versierten Tierarzt, der vorher sorgfältig den Gesundheits- und insbesondere

den Immunstatus des Hundes kritisch prüft.

Mein Hund hat einen hohen Titer, was jetzt?

Der im Blut gemessene „Antikörper-Titer“ hat erst einmal nur die Funktion, zu

schauen, ob Ihr Hund Kontakt mit Leishmanien hatte. Die Höhe des Titers ist eher

zweitrangig.

Wir freuen uns immer, wenn ein Tier einen hohen Titer hat, aber keine Symptome

aufweist – zeigt es doch, dass sein Immunsystem aktiv ist und einen erheblichen

Teil der Krankheitsbewältigung selber übernimmt. Umgekehrt kann es auch schwere

Verläufe geben, trotzdem der Titer „nur“ einen geringen Wert hat...

Entscheidend ist wirklich das Befinden des Hundes und sein restliches Blutbild

(insbesondere die Leber- und Nierenwerte, sowie das „rote Blutbild“).

Aufgrund dieser verschiedenen Informationen wird die Therapie festgelegt. Der Titer

alleine nützt nur wenig bei der Beurteilung...

Was sollte ich füttern, was sollte ich vermeiden?

Wichtig beim Thema Nahrung ist, dass Sie insbesondere wenn der Hund unter

Allopurinol-Therapie steht, auf das Füttern von Innereien wie Niere und Leber

verzichten. Innereien sind besonders reich an sog. „Purinen“. Das sind Bestandteile

der Kerne aller Körperzellen. In konzentrierter Form dem Körper durch Nahrung

zugeführt, sorgen sie allerdings für Probleme mit den Nieren und anschließend für

schmerzhafte Veränderungen der Gelenke durch ungesunde Harnsäure-Erhöhungen.

Zusätzliches Gemüse zum „normalen“ Hundefutter ist immer eine gute Alternative...

Wenn Sie mögen, dann schauen Sie doch unter folgendem Link im Internet eine

gute tabellarische Aufstellung von Nahrungsmitteln an, die alle nach Menge an

Harnsäuregehalt sortiert sind:

http://www.leveste.de/dalmaweb/purin.htm

Abschließende Gedanken zu diesem Thema:

Verantwortungsvoll im Süden arbeitende Tierschutzvereine vermitteln ihre Hunde

nicht, ohne sie vorher auf die so genannten Mittelmeerkrankheiten untersucht zu

haben, mit Ausnahme von Welpen, deren Immunstatus erst mit etwa einem Jahr

aussagefähig ist.

Nicht zu vertreten ist allerdings, wenn Tiere ungetestet aus Mittelmeerländern

geholt und vermittelt werden. Das ist verantwortungslos gegenüber jedem

infizierten Hund, der ohne die richtige Information vielleicht falsch oder gar nicht

therapiert wird, und ebenso gegenüber dem neuen Besitzer, der nicht entscheiden

konnte, ob er überhaupt ein krankes Tier aufnehmen will.

Leishmaniose ist eine besondere Erkrankung, aber in der Regel gut beherrschbar.

Hunde mit Leishmaniose können hier in Deutschland unter Therapie alt werden.

Wer bewusst einen an Leishmaniose erkrankten Hund aufnimmt, weil er einem Tier

helfen möchte, oder wer plötzlich damit konfrontiert wird, dass sein Hund infiziert

ist, der sollte sich unbedingt von einem Tierarzt beraten lassen. Wichtig ist, dass

dieser sich mit Mittelmeerkrankheiten auskennt, mit Fachlabors zusammenarbeitet,

sich mit Leishmaniose-Spezialisten notfalls austauscht und die Patientenbesitzer

nicht unnötig beunruhigt.

 

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